Wissenschaftliche Hintergründe und Entwicklungen – Teil 3

Wissenschaftliche Erkenntnisse ♦ Hochsensibel ♦ Jagiellowicz, Gerstenberg, Smolewska, McCabe und Woody

Wissenschaftliche Hintergründe Entwicklungen HSP - 3

Wissenschaftliche Hintergründe, Studien und Entwicklungen zur Hochsensibilität (3)

Die Ver­öf­fent­li­chun­gen des Kon­zepts von Elai­ne Aron zur Hoch­sen­si­bi­li­ät, sind für vie­le Men­schen lebens­ver­än­dernd gewe­sen. Den Satz, den ich am häu­figs­ten in die­sem Zusam­men­hang gehört habe war: „Es war für mich, so erleich­ternd“. „Es war so, als wäre der Stöp­sel gezo­gen, und nun kann es abflie­ßen.“ Eine Kli­en­tin berich­te­te mir, dass sie zwei Tage geweint hat, um all das los­zu­las­sen, was sie bis zu die­sem Zeit­punkt für ihr Ver­ständ­nis von sich selbst hielt. Und nun konn­te eine neue Sicht, ein neu­es Ver­ständ­nis in ihr ent­ste­hen.

Aron ent­wi­ckel­te aus Inter­views einen Fra­ge­bo­gen von ursprüng­lich 60 Fra­gen in die vor­lie­gen­den Fas­sung von 27 Fra­gen. Die­ser Test steht Ihnen auch auf der Sei­te HSP Ska­la zum Selbst­test zur Ver­fü­gung. Selbst­ver­ständ­lich kann er nur eine aller­ers­te Ori­en­tie­rung sein, um sich selbst ein­zu­schät­zen. Dies allei­ne reicht nicht, um sich als hoch­sen­si­bel zu begrei­fen. 

Da Selbst­ein­schät­zun­gen auf­grund von Fra­ge­bö­gen kei­ne for­schungs­theo­re­ti­sche Aus­sa­ge haben kön­nen, fin­den in den letz­ten zwan­zig Jah­ren immer mehr Unter­su­chun­gen auf der kör­per­lich mess­ba­ren Ebe­ne statt (Jagiel­lo­wicz, 2011Gers­ten­berg 2012). Es bedarf auch einer Vali­die­rung auf neu­ro­wis­sen­schaft­li­cher Ebe­ne.

Ergeb­nis der Aus­wer­tun­gen der bild­ge­ge­ben­den Ver­fah­ren im MRT von 2011 war die Erkennt­nis, dass hoch­sen­si­ble Men­schen signi­fi­kant stär­ker auf gerin­ge Bild­ver­än­de­run­gen und auch Rei­ze reagier­ten, als Nor­mal­sen­si­ble.

Aus den For­schun­gen von 2012 ließ sich erken­nen, das HSP zwar eine höhe­re Leis­tung bei visu­el­len Such­auf­ga­ben auf­zeig­ten, jedoch auch ein höhe­res Stress­emp­fin­den.

Des­wei­te­ren konn­ten bild­ge­ben­de Ver­fah­ren höhe­re Akti­vi­tä­ten von Gehirn­be­rei­chen zustän­dig für Wahr­neh­mung, Empah­tie, Hand­lungs­pla­nung, Ein­ord­nung von Fremd­in­for­ma­tio­nen in das eige­ne Sys­tem nach­wei­sen.

Die For­schungs­grup­pe Smo­lew­s­ka, McCa­be und Woo­dy (2005) ver­än­der­te die Defi­ni­ti­on Arons zur Hoch­sen­si­bi­li­tät  mit einem neu­en Kon­zept. Hier­bei wird zwi­schen Ease of Exci­ta­ti­on (EOE), Aes­the­tic Sen­si­ti­vi­ty (AES) und Low Sen­so­ry Thres­hold (LST) unter­schie­den.

- Ease of Exii­ta­ti­on – das Gefühl schnell von exter­nen und inter­nen Rei­zen über­wäl­tigt zu sein

- Aes­the­tic Sen­si­ti­vi­ty (AES) – der Sinn für das Schö­ne

- Low Sen­so­ry Thres­hold – kann mit nied­ri­gen Tole­ranz­gren­ze von (unan­ge­neh­men) sen­so­ri­schen Emp­fin­dun­gen ver­gli­chen wer­den

Smo­lew­s­ka und Kol­le­gen (2005) haben somit zu einer wei­te­ren Defi­ni­ti­on des Hoch­sen­si­bi­li­täts­kon­strukts bei­tra­gen.

Entwicklungen und Perspektiven

Mit den Anfän­gen der Geis­tes­wis­sen­schaft Psy­cho­lo­gie ent­stan­den schnell vie­le Kon­zep­te, Theo­ri­en und Ver­fah­ren. Immer auf der einen Sei­te im Bemü­hen, den Men­schen am bes­ten zu begrei­fen, ent­stand auf der ande­ren Sei­te auch von Anfang ein Schu­len­streit.

Heu­te ken­nen wir unzäh­li­ge The­ra­pie­ver­fah­ren, die sich sowohl von­ein­an­der ablei­ten, auch ergän­zen und wei­ter­ent­wi­ckeln oder aber für völ­lig ande­re Kon­zep­te ste­hen.

Und so ist auch die For­schung und Ent­wick­lung des Kon­zepts Hoch­sen­si­bi­li­tät ein­zu­ord­nen. Je nach Zeit­geist, per­sön­li­cher Erfah­rung und Schu­le fällt der Blick auf Men­schen mit sen­si­bler Ver­an­la­gung unter­schied­lich aus. Neue Ansät­ze haben es nicht leicht aner­kannt zu wer­den.

Eine Link­lis­te mit wis­sen­schaft­li­cher Lite­ra­tur fin­den Sie auf hochsensibel.org

Mas­ter­ar­beit Patri­ce Wyrsch

Chris­ti­na Bach. Ein empi­ri­scher Zugang zur Hoch­sen­si­bi­li­tät

Tere­sa Til­mann,  Die Rol­le des Tem­pe­ra­ments­merk­mals Hoch­sen­si­b­li­li­tät im Belas­tungs­le­ben von Lehr­per­so­nen

 

An die­ser Stel­le möch­te ich eine Lite­ra­tur­aus­wahl emp­feh­len 

 

 

Bei allen Bemü­hun­gen, Ihnen eine mög­lichst voll­stän­di­ge Dar­stel­lung der Ent­wick­lung und Stu­di­en zur Ver­fü­gung zu stel­len, mögen mir den­noch For­schun­gen ent­gan­gen sein. Wenn Ihnen selbst wei­te­re Stu­di­en bekannt sind, freue ich mich über eine email und den Hin­wei­sen, wo die­se zu fin­den sind. Ich wer­de ger­ne mei­nen Teil zu einem mög­lichst voll­stän­di­gen Bild bei­tra­gen.

Ihre Ste­pha­nie Ortiz y Lüls­dorff

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