HSP ♦ C.G. Jung ♦ angeborenen Empfindlichkeit ♦Introversion ♦ Kagan ♦ verhaltensgehemmte Kinder ♦ Alexander Thomas Stella Chess ♦ Langzeitstudie

Wissenschaftliche Hintergründe, Entwicklung – Teil 1

In den letzten Jahren hat das Thema Hochsensibiliät mehr und mehr die Öffentlichkeit erreicht.

Allerdings beobachte ich, dass sich die Thematik in gewisser Hinsicht verselbständigt. Es werden Eigenschaften mit der Veranlagung in Verbindung gebracht, die rein gar nichts mit dem angeborenen Temperament zu tun haben.

Da mir die Menschen am Herzen liegen, die tatsächlich hochsensibel geboren sind und nur schwer einen Platz in einer schnelllebigen Gesellschaft finden, möchte ich Sie daher einladen, einige wissenschaftliche Aspekte zu betrachten.

Der Begiff des Temperaments hat im Laufe der Jahrhunderte sicherlich seine Bedeutung verändert. Eine auf die heutige Zeit treffende Beschreibung wäre wohl, dass das angeborene Temperament die Basis einer Persönlichkeit ist.

Carl Gustav Jung (Tiefenpsychologe) entwickelte anfang des letzten Jahrhunderts das Konzept der „angeborenen Empfindlichkeit“. Rund 25 Prozent der Menschen beträfe eine besonders sensible Disposition.

Einige Jahre später führte er die Begriffe der Introversion und Extroversion in die Persönlichkeitspsychologie ein. Er beschrieb introvertierte Menschen als nach innen gerichtet, sowohl ihre Energie als auch ihre Aufmerksamkeit betreffend.  Extrovertierte in beiden Fällen nach außen gerichtet.

Somit verschob sich die Idee von der „angeborenen Empfindlichkeit“ in das Temperament der Introversion.

Bis heute haben die Konzepte der Intro-und Extroversion Bedeutung in der Temperamentsforschung, so auch in dem sehr bekannten Big Five Modell.

Die Forschungen Jerome Kagans (Professor und Entwicklungspsychologe, Harvard, 1970) zu den individuellen Unterschieden im angeborenen Temperament von Säuglingen und Kleinkindern waren von Jungs Konzept der Intro- und Extroversion geprägt.

Er unterschied in Langzeitstudien zwischen zwei Gruppen von Kindern. Er bezeichnete sie als verhaltensgehemmte oder nicht verhaltensgehemmte  Kinder. Er schätze einen Anteil von 20 Prozent verhaltensgehemmter Kinder, die sich durch zurückgezogenes, vorsichtiges, vermeidendes und schüchternes Verhalten in ihrem Temperament zeigten. Diese Kinder zeigten eine niedrigere Erregungsschwelle, als die anderen Kinder.

1936 veröffentlichte der Schweizer Theologe und Therapeut „Der Sensible Mensch“.  Er betrachtete die Sensibilität ebenfalls als ein Persönlichkeitsmerkmal.

Die Psychiater Alexander Thomas und  Stella Chess beobachteten in ihrer Langzeitstudie  (1956 – 1990er) ebenfalls Verhaltensmerkmale und unterteilten sie in neun Temperamentsdimensionen. Wiederum 65 % dieser Kinder konnten in drei Temperamenten zugeordnet werden. 40 % zählten zu der Kategorie der „einfachen Babys“, 10 % waren „schwierige Babys“ und 15 % „langsam auftauende Babys“.

Letztere – Sie ahnen es schon – reagierte auf neue Menschen und Situationen mit Rückzug und brauchten mehr Zeit für Veränderung. Das Aktivitätsniveau wurde als niedriger beschrieben, dagegen die sensorischen Empfindungen als erhöht. Sie reagierten weniger emotional als die als „schwierig“ eingestuften Kinder.

In den Studien zu den „verhaltensgehemmten“ und den „langsam auftauenden Babys“ wurde ähnliches Verhalten beschrieben: eine stärkere sowohl körperliche als auch emotionale Reaktion. Darüber hinaus konnten Rückschlüsse auf physiologische als auch biochemische  Unterschiede gezogen werden.

„Introvertierte“ Menschen zeigen eine niedrigere Schmerzschwelle und reagieren insgesamt früher auf Reize unterschiedlichster Art (siehe Geräusche, Gerüche, Medikation Hochsensibiliät).

Das Verhalten der „gehemmten“ Kinder wurde eher negativ bewertet, da man Rückschlüsse auf die Entwicklung von Angststörungen vermutete.

Sensibilität und Vulnerabiliät?

Sensible Reaktionen wurden somit zu einem sogenannten Vulnerabilitätsfaktor. Dies bedeutet: eine erhöhte Verletzbarkeit oder Anfälligkeit.

Wenn Sie bis zu dieser Stelle gelesen haben, fragen Sie sich womöglich, genauso wie ich, ob diese Annahme nicht ein grundsätzliches Missverständnis in der Einordung und Bewertung von Sensibiliät bedeutet.

Tatsache ist, dass die Introversion lange negativ bewertet wurde. Dies ändert sich seit den neunziger Jahren

Lesen Sie weiter im zweiten Teil

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